Rezension aus Pferdesport International 09/06
Rezension aus Freizeit im Sattel 09/06

Rezension aus Pegasus 09/06


Buchbesprechung Vollendete Reitkunst
Prof. Dr. med. vet. Ellen Kienzle

Udo Bürgers vollendete Reitkunst


Es ist höchst erfreulich, dass dieser Klassiker endlich wieder neu aufgelegt wurde. Eine reiterliche Bibliothek ohne dieses Buch ist unvollständig, eine reiterliche (Aus-)Bildung ohne dieses Buch gründlich und mehrfach durchzuarbeiten, ist wie ein Germanistikstudium ohne Goethe. Was dieses Buch so einzigartig macht, ist dass mit der Erstauflage von 1959 erstmals eine Reitlehre vorgelegt wurde, in welcher veterinärmedizinisch-naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit vor allem auf Erfahrung basierenden traditionellen Reitvorschriften in einen Zusammenhang gebracht wurden. Das Buch enthält aber auch Gedanken zu Reitsport und Reitkunst, Dressur und Dressieren, zu persönlichen Eigenschaften von Reitern, zur Erziehung von Pferden und zu verschiedenen Reitweisen, die heute noch äußerst aktuell sind. Ein echtes Schmankerl ist das Kapitel über die reiterliche Diagnose. Schließlich sollte der Zusammenhang zwischen Krankheiten und fehlerhafter Arbeit nicht nur Tierärzte interessieren. Die vorliegende Neuauflage kann als Vorbild für die Herausgabe klassischer Werke der Reitliteratur gelten. Es wurde auf den Originaltext von 19## zurückgegriffen. Passagen, die aus heutiger Sicht einer Überarbeitung bedürfen, wurden nicht geändert oder gestrichen, sondern mittels Fußnoten kommentiert. Der Leser kann daher sicher sein, dass jedes Wort, das nicht von Udo Bürger selbst stammt, auch entsprechend gekennzeichnet ist. Dieses Beispiel sollte im Hinblick auf die Authentizität der klassischen Werke der Reitliteratur und das durch diese Bücher tradierte Verständnis der Geschichte der Reitkunst für Neuauflagen anderer Klassiker Schule machen. Das Buch wurde mit eindrücklichen aktuellen Fotos illustriert, positive und negative Beispiele schulen das Auge des Lesers für richtiges und falsches reiten. Ein ansprechendes Lay-Out, gute anatomische Darstellungen und einprägsame Grafiken helfen die schwierige Materie zu verstehen. Das Buch richtet sich in erster Linie an im Sattel erfahrene und in der Reitlehre gut belesene Reiter, als Einstiegslektüre ist es weniger geeignet. Fortgeschrittene Anfänger dürften dagegen von Bürgers Werk durchaus profitieren: Auch wenn ihnen beim ersten Lesen vieles unverständlich bleiben wird, so erhalten sie doch einen Einblick darin, was es jenseits des üblichen Reitbetriebs oder des autodidaktischen Spazierenreitens so alles zu wissen, zu erfahren und zu erfühlen gibt. Udo Bürgers vollendet Reitkunst kann auch nationalen und internationalen Sportreitern und Turnierrichtern nur wärmstens empfohlen werden, damit sie ihr technisches reiterliches Können nicht nur im Versuch-und-Irrtums-Verfahren, sondern gezielter auf sicherem Wissen basierend einsetzen und ihr Detailwissen besser in einen Gesamtzusammenhang einordnen können. Damit würden sich manche der heute leider aktuellen Diskussionen von selbst erledigen. Diesem Buch ist eine hervorragende Übersetzung ins Englische zu wünschen, damit es auch international entsprechende Verbreitung findet.